Taurus Investor im Echtgeldtest #1: es kann nur besser werden

Wie du als Leser weißt, ist eine wichtige Säule meines Projekts die Suche nach seriösen und profitablen Alternativen zum Eigenhandel.

Best Case: ich finde neue Einnahmequellen und kann die auch mit gutem Gewissen empfehlen.

Worst Case: meine Einlage wird vernichtet oder zumindest dezimiert. Aber durch das Teilen meiner dadurch gemachten Erfahrungen kann ich hoffentlich wenigstens dich oder andere Leser vor dem gleichen Ergebnis bewahren.

Der erste abgeschlossene Echtgeldtest betrifft ein 1.000 EUR Investment in das automatische Handelssystem von www.taurustech.de .

Ein automatisches Handelssystem übernimmt das Handeln für dich. Entweder in Form von Copy Trading, d.h. dein Konto beim Broker wird mit einem sogenannten Masterkonto verknüpft welches alle Orders in dein Unterkonto spiegelt.
Oder tatsächlich als ein Skript, welches du käuflich erwirbst und in deine Chart ziehst. Das System von Taurus war Ersteres.

Ausgangslage & Recherche

Der erste Eindruck war ein sehr positiver, zudem der für mich extrem wichtige Punkt Transparenz bestens erfüllt war mit einem einsehbaren Profil des EA´s auf fxblue. Ich habe mit den Jungs hinter dem System auch telefoniert, sympathische und engagierte Leute hinter dem Projekt. Neben der Strategie bieten sie etwa auch ergänzende hilfreiche Softwaretools an für den MetaTrader.

Der aktuelle Blick in das Profil der Strategie zeigt eine schöne Profitkurve, mit einem monatlichen Wachstum von +2,8% bei einem höchsten Rückgang von lediglich -0,9%. Drawdown? Scheinbar nicht existent. Verlustmonat? Gab es keinen. Na da mache ich doch mal mit, und nach spätestens 3 Monaten ist das Fazit geplant.

Screenshot aus dem Profil bei fxblue.com

Ist doch alles bestens mag man angesichts dieser Statistiken und Grafiken denken. Es handelt sich allerdings um eines der weit verbreiteten, unter Anbietern beliebten Grid-Systeme. Oder anders gesagt wird mit Teileinstiegen gearbeitet, auch als Pyramidisierung bezeichnet.
D.h. die Strategie realisiert kleine Gewinne, und kauft bei neuen Signalen im Verlust weiter nach.

Jetzt werden die alten Hasen schon schmunzeln, wissen diese doch genau: das geht 9 Mal gut, und beim 10. Mal zerschießt es das Depot. Die Grafik ganz unten im Screenshot zeigt auch schon, dass die am längsten gehaltenen Positionen allesamt Verlusttrades waren.

Im Universum der angebotenen Handelssysteme und Expert Advisors (EA´s) machen solche Systeme deutlich mehr als 50% des Angebots aus. Was mich persönlich betrifft war es mein zweiter und letzter Griff zu so einem Angebot.

Nur die Balance bzw. Gesamtprofit zu betrachten bei der Entscheidungsfindung wäre natürlich ein fataler Fehler. Viel wichtiger ist die Analyse der Equity. Das ist jener Depotstand den ich hätte, wenn alle offenen Positionen geschlossen würden. Also inklusive offener Buchverluste. Und hier sehen wir ein etwas anderes Bild:

Profit (blau) & Equity (rot)

Den senkrechten Fall auf 5.000 EUR bitte ich an dieser Stelle zu ignorieren. So schlimm sieht es bei weitem nicht aus. Hier wurde das Konto durch eine Auszahlung auf 5.000 EUR gebracht. Davon abgesehen siehst du scheinbar moderate maximale Buchverluste im Vergleich zu den realisierten Profiten. Aktuell durchläuft das System laut diesem Profil einen Drawdown von ca. 20%.

Das ist ungefähr auch so mein Richtwert, 20-30% Drawdown bin ich durchaus bereit zu riskieren für eine monatliche Performance von 2-3%.

Ich scheine aber auch wirklich ein Händchen für das richtige Timing zu haben, wenn das so weiter geht biete ich mich gerne als Kontra-Indikator an, buchbar ab 9.000 EUR Abo-Gebühr im Jahr. Aber damit habe ich schon etwas viel verraten, zurück an den Anfang.

Erste Stirnrunzler

Eingezahlt habe ich die 1.000 EUR am 11. Dezember 2019. Ich möchte jetzt gar nicht im Detail auf den Broker außerhalb der EU eingehen, für den man sich entscheiden muss. Dass die Wahl auf den mir bis dato unbekannten Broker Prior FX fiel hatte natürlich mit dem Hebel von 1:500 zu tun. Und mit dem Umstand, dass gering kapitalisierte Konten wie meines auch Bruchstücke von Microlots handeln konnten. D.h. wenn das Masterkonto kapitalisiert mit 10.000 EUR lediglich 0,01 Lot EUR/USD kauft, dann würde mein 1.000 EUR-Konto diesen Trade gar nicht mitmachen dürfen mit 0,01 Lot. Denn ich würde damit das zehnfache Risiko eingehen.

Dieser Broker erlaubt Taurus auch Bruchstücke von Microlots zu handeln. Mit einem unschönen Nebeneffekt: der MetaTrader kann Bruchstücke von Microlots nicht abbilden. Logge ich mich heute den 9. März 2020 in das MT4-Konto ein, wird mir ein offener Verlust von -2.186,45 EUR sowie eine Equity von -1.129,68 EUR angezeigt:

Das führte natürlich schon nach den ersten Tagen zu Rückfragen bei Taurus. Mit eben jener Erklärung, dass die Anzeige im MT4 nicht korrekt ist. Weil hier jede Position mit mindestens 0,01 Lot angezeigt und berechnet wird.

Die “echte” Performance kann ich mir in einem Web-Backend ansehen, zu dem kommen wir später noch.

Das 2. Mal hat sich meine Stirn in Falten gelegt in den Weihnachtsfeiertagen. Denn das System hat nicht nur offene Positionen gehalten während der Feiertagen. Sondern auch fleißig weitere eröffnet.

Jeder der schon länger dabei ist weiß: das ist im Grunde ein No Go, kein professioneller Händler ist in der letzten Dezemberwoche an den Börsen aktiv.

Detail am Rande: mein erster Echtgeldtest eines EA´s ist genau deshalb in sich zusammen gebrochen und vom Markt verschwunden, weil es an einem Feiertag zu großen Bewegungen gekommen ist die zu enormer Slippage geführt hat.

EUR/CHF als Spielverderber

Mit den Feiertags-Spekulationen hätte ich mich ja noch abfinden können. Solange die Performance passt. Allerdings hat sich dann sehr schnell abgezeichnet, dass eine Long-Pyramidisierung im Devisenpaar EUR/CHF das Potential zur Katastrophe hat. Während die Balance, also der realisierte Gewinn, wöchentlich um ein paar Euro wuchs, bereitete die Equity, also der “wahre” Kontostand, Sorgen. Grund sind nicht weniger als 30(!) Positionen in diesem Underlying, 27 davon Long, und leider nur 3 Short. Begonnen hat das Grid oder auch Gitter am 13. Dezember, nach dem letzten Longeinstieg am 29. Januar wurden dem System manuell weitere Zukäufe untersagt.

Dieser Tageschart und seine horizontal visualisierten Kaufniveaus zeigen schön, wie aus kurzfristigem Trading langfristiges Investieren wird:

Das Grid im EUR/CHF

Schon alleine mit diesem Debakel war ich einige Tage lang kurz davor, bei ungefähr -20% die Reißleine zu ziehen. Weil Prinzip Hoffnung geht für mich gar nicht, da war kein Plan dahinter.

Letzte Woche hat sich im Zuge der Corona-Krise aber plötzlich ein kurzer Aufwärtstrend gezeigt, und die Equity lag kurzzeitig wieder bei um die 900 Euro.

Bis sich leider drei neue Grids aufgetan haben, die allesamt auf das falsche Pferd gesetzt haben:

EUR/USD im 4-Stunden-Chart

Du siehst hier 21 offene Position im EUR/USD. Allesamt Short.

USD/JPY im 4-Stunden-Chart

Oder diese 13 Positionen im USD/JPY. Alles Longs. Und als wäre das noch nicht genug, hier noch das aktuelle Engagement im AUD/CAD, ebenfalls mit 13 laufenden Positionen. Diesmal wieder alles Shorts:

AUD/CAD im 4-Stunden-Chart

Ich bin ja grundlegender Optimist, aber nach welchem Strohhalm soll ich hier denn noch greifen?

Tut mir leid Jungs von Taurus, aber ich beantrage in diesen Sekunden die Auszahlung. Manuell kann ich keine Positionen schließen im MetaTrader, also abwarten was die finale Abrechnung ergibt. Ein Blick in das vorhin erwähnte Web-Backend zeigt aktuell jedenfalls einen Drawdown von -35 Prozent:

Der Blick in das Web-Portal von Prior FX

Kann natürlich auch sein dass ich genau am Wendepunkt aussteige, einen Turnaround würde ich den Jungs aus Elsdorf auch herzlich wünschen.
Aber fixer Bestandteil meiner Trading-Persönlichkeit ist nun mal ein Stop-Loss für das Worst-Case-Szenario. Und das lag eigentlich bei -30%.

Kann es noch schlimmer kommen?

Die 77 offenen Positionen wurden mir nach meinem Auszahlungswunsch zwar rasch glattgestellt. Und laut Screenshot im MetaTrader sind von meinen eingezahlten 1.000 Euro noch exakt 671,34 Euro übrig.

Nur war gestern plötzlich das Web-Backend nicht mehr erreichbar. Auf Nachfrage bei Taurus Tech dann diese Hammer-Auskunft, die sie wiederum offiziell erhalten haben:

Dear Clients,
Following the news from our upper broker regarding the temporary suspension of their license, we are sorry to inform you that trading is currently unavailable, together with any other services such as depositing and withdrawing funds.
Clients only have the possibility to close exisiting positions.
We look forward in clarifying the issue with our upper broker and are in direct contact with them to solve this matter as soon as possbile.
Kindly rest assured that we will keep you updated for further information.
We apologize for any inconvinience caused.

Best regards,
P-Global Markets LTD.

Meine erste Reaktion, ungelogen:

Ich musste spontan lauthals lachen. Mein erster Echtgeldtest auf der neuen Webseite, und prompt bin ich Opfer einer Broker-Pommesbude geworden.

Und das mir, nach 10 Jahren Brokertests für BrokerDeal.de . Finde ich großartig, weil es gar nicht besser zeigen kann, wie wichtig die Wahl eines seriösen Brokers ist. Und warum man nicht wegen Boni oder höheren Hebeln nach einem Broker außerhalb der EU suchen sollte.

Insofern haben die Jungs von Taurus sehr richtig daran getan, sich mit JFD Bank vor einigen Wochen schon einen neuen, verlässlichen Partner gesucht zu haben.

Für mich kam das leider zu spät, im Dezember hatte ich diese Möglichkeit noch nicht. Ich muss jetzt abwarten, ob und wann ich die 671 Euro überwiesen bekomme.

Drum prüfe wer sich ewig (oder 3 Monate) bindet.

Ich bin nach knapp 3 Monaten jetzt raus, Tests weiterer Systeme stehen natürlich an und ich freue mich auf deren Erkenntnisse. Die Performance-Gebühr hätte übrigens 25% betragen. Die kam nie zum Tragen. Sehr wohl wurde mir aber einmal die vierteljährliche Management-Gebühr von 1% auf das vorhandene Kapital abgebucht.

Schlussfolgerung und Lehren

Erstens rühe ich keine Grid-Systeme mehr an. Also solche die im Verlust weiter nachkaufen. Außer der Vater der Strategie kann mir glaubhaft darlegen, warum der Einstieg in maximal 3 Etappen abläuft, mehr sind mir unsympathisch.

Zweitens prüfe welcher Broker bzw. welche Infrastruktur hinter dem Angebot steht. Und da ich üblicherweise dann per Mail gefragt werde welche denn vertrauenswürdig sind: ich selbst bin derzeit bei ActivTrades, WH SelfInvest und GBE brokers aktiv. Mehr dazu wenn es wieder um meine Echtgeld-Brokertests geht.

Hast du Lust selbst Systeme, Signalanbieter, Coaches & Co zu testen und deine Ergebnisse mit mir zu teilen? Dann schreib mir eine E-Mail.

Viel Erfolg beim smarten Trading

Michael Hinterleitner

Fazit Taurus Investor

Werde ein smarter Trader

Bewirb dich für einen Platz im Netzwerk! Ich melde mich dann bei Dir so rasch es geht. Gemeinsam begeben wir uns dann auf eine profitable Trading-Reise. Und auch wenn das Netzwerk aktuell nichts für dich ist, helfe ich dir gerne bei deinen größten Hürden.